Aug 26, 2025
Wort zum Sonntag 33 KW/2025

Was ist das für ein Erbe?

Über die kommende Woche hat die evangelische Kirche einen Psalmvers gestellt: „Wohl dem Volk, das Gott zum Erbe erwähnt hat.“
Für mich klingt das tröstlich und voller Zuversicht. Konflikte möchte ich darin gar nicht hören – wenn es geschichtlich und tagespolitisch nicht so brisant wäre.
Denn jener Vers wurde ausgewählt, um das Verhältnis zwischen Kirche und Israel zu beschreiben.
Da blicken wir einerseits auf eine schmerzliche Geschichte zurück. Andererseits blicken wir auf ideologiekritische Klärungen zurück.
Und am Sonntag feiert die Evangelische Kirche den „Israelsonntag“ als Mahnung und Erinnerung und Verbundenheit.
Verbundenheit ... Man fragt sich: mit wem eigentlich?
Wer ist „Israel“?
Ist ein Land gemeint? Und wenn ja: wo sind dessen Grenzen? Ist ein Volk gemeint? Und wenn ja: wer gehört dazu (und wer nicht)? Ist ein politisches Handeln gemeint? Und wenn ja: wer fühlt sich durch die derzeitige Politik repräsentiert?
Oder sollten wir bei religiösen Fragen bleiben?
Gott hat sich ein Volk erwählt und diese Erwähnung nie aufgekündigt – wohl aber immer wieder einen neuen Bund geschlossen. Die Kirche gehört durch einen solchen Bundesschluss zu Gottes Volk dazu. Und damit stellt sich die Frage nach dem religiösen Erbe.
Ich verstehe dieses Erbe als Anforderung und gemeinsame Verpflichtung: Gottes Weisungen zu entsprechen und danach zu leben. Wohl denen, die das tun; darauf wird Segen liegen.
Doch wenn die, die sich zu Gottes Volk zählen, nicht danach leben, dann gilt auch die Kehrseite dieses Erbes: »Euretwegen wird Gottes Name bei den Völkern in den Schmutz gezogen.«
Bitte: wählen Sie den Segen.

 

Pfarrer Andreas Börner
Pfarrbereich Bad Lauchstädt-Schafstädt

Portraitaufnahme Andreas Börner (Pfarrer)